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Deus ex Machina? 5 Risiken von maschineller Übersetzung

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Deus ex Machina? 5 Risiken von maschineller Übersetzung

Welches Risiko gehen Softwarehersteller ein, die bei der Lokalisierung ihrer Produkte auf maschinelle Übersetzungen (MT) vertrauen? Milengo gibt einen Einblick, welche Fallstricke Sie beim Einsatz moderner MT erwarten.

Übersetzungen ‚in Sekundenschnelle‘ bei ‚minimalem Invest‘ – so wird maschinelle Übersetzung (MT) heute vielerorts angepriesen: als Wundermittel mit vernachlässigbaren Risiken und Nebenwirkungen. Speziell der Einsatz maschinell übersetzter Texte, die nicht mehr fachgerecht überprüft wurden („Raw MT“), birgt jedoch nicht zuletzt für Softwareunternehmen Gefahren. In diesem Artikel beleuchten wir anhand konkreter Beispiele 5 Problematiken der Technologie und zeigen, wie maschinelle Übersetzung dennoch sicher und effektiv genutzt werden kann.

5 Problematiken, die Softwareunternehmen beim Einsatz von MT im Auge behalten sollten

Willkürlich übersetzte Firmenterminologie

Heutige MT speist sich aus künstlicher Intelligenz und neuronalen Netzen. Dennoch mangelt es ihr an Textverständnis im menschlichen Sinne. Ein simples Beispiel: Die Anrede „My dear friend“ lässt offen, ob es sich um einen „Freund“ oder eine „Freundin“ handelt. Während ein Mensch diese Information aus dem Situationskontext erschließen kann, stößt maschinelle Übersetzung hier an ihre Grenzen.

Ein Fall mit größerer geschäftlicher Relevanz

In englischen Garantiehinweisen für Software stößt man häufig auf den Begriff „warranty“, der im Deutschen entweder „Gewährleistung“ oder „Garantie“ bedeuten kann. Zwischen beiden Begriffen besteht bekanntlich ein gewichtiger Unterschied: „Gewährleistung“ bezeichnet die gesetzlich vorgeschriebene Mängelhaftung, „Garantie“ eine darüber hinausgehende freiwillige Herstellerverpflichtung. Die Maschine kann derartige semantisch mehrdeutige Terminologie nicht zuverlässig übersetzen und so Missverständnisse von rechtlicher Tragweite heraufbeschwören.

Kunden werden in die Irre geführt

Manche Texte – wie die Onlinedokumentation für eine komplexe Finanzsoftware – müssen nicht unbedingt sprachliche Meisterwerke sein, sollten jedoch in jedem Fall inhaltlich korrekt und verständlich formuliert sein. Fehlübersetzungen schmälern hingegen die Benutzererfahrung und führen im schlimmsten Fall zur unsachgemäßen Anwendung von Produkten.

Moderne Übersetzungsmaschinen produzieren zwar in der Regel bereits sehr flüssig zu lesende Texte, können aber weiterhin die ursprüngliche Aussage verdrehen. Dem Leser wird dabei ein trügerisches Vertrauen in den Text eingeflößt – Studien belegen, dass Übersetzungen, die „gut klingen“, aber inhaltlich fehlerhaft sind, eher vom Benutzer akzeptiert werden als holprig formulierte Übersetzungen, die dafür inhaltlich richtig sind. Dieser Täuschungseffekt führt zu potenziell verärgerten oder im schlimmsten Fall gar abwanderungswilligen Kunden.

Der Ruf nimmt Schaden

Kürzlich berichtete ein Übersetzerkollege von einem Unternehmenskunden, der eine Mitarbeiterbroschüre für ein „Harassment and Discrimination Training” ins Deutsche übersetzen ließ – es ging also um eine Präventionsschulung zum Thema sexuelle Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz. Der Titel war im Englischen etwas unglücklich gewählt und hätte präziser „Harassment and Discrimination PREVENTION Training“ lauten sollen. Maschinelle Übersetzung würde den englischen Begriff nonchalant in ein „Belästigungs- und Diskriminierungstraining“ verwandeln – eine Übersetzung, die beim Leser zweifellos für Irritationen gesorgt hätte. Derart unfreiwillig beleidigende, unangemessene oder kulturell inakzeptable Inhalte können Unternehmen in ein schlechtes Licht rücken.

Marken verlieren ihren Wiedererkennungswert

Nehmen wir an, Sie haben für den britischen Markt eine App namens maverick footwear entwickelt – ein Onlineshop für Schuhmarken von verschiedenen Herstellern. Nun wollen Sie die Produkte auch in der DACH-Region vertreiben. Bei der Lokalisierung des Shops sollten Sie in jedem Fall beachten, dass MT nicht unbedingt vor feststehenden Produktnamen Halt macht, sondern diese teils auch übersetzt. Das erschwert die Auffindbarkeit von Produkten, sorgt für Verwirrung beim Kunden und schwächt letztendlich die Identität Ihrer Marke. Gerade für Onlinehändler mit großem Sortiment stellen falsch übersetzte Produktnamen ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Zu allem Überfluss wird es dabei häufig noch unfreiwillig komisch: Google Übersetzer verwandelt maverick footwear beispielsweise in Einzelgänger-Schuhe – im wahrsten Sinne des Wortes kein App-Name, der massenhaft Anklang finden würde.

Die Außendarstellung leidet

Stellen Sie sich vor, Sie entwickeln eine Software zur Steuerung von Videoanlagen. Als Branchenkenner wissen Sie, dass der Begriff „Überwachung“ speziell in der deutschen Öffentlichkeit eher negativ belegt ist – „Überwachungsstaat“, Big Brother & Co. lassen grüßen. Deshalb sieht Ihre Sprachregelung vor, das englische „surveillance“ mit dem positiver belegten Begriff „Sicherheit“ zu übersetzen: Aus „Überwachungstechnik“ und „Überwachung des öffentlichen Raums“ wird „Sicherheitstechnik“ und „Sicherung des öffentlichen Raums“. Solche relativ simplen Sprachpräferenzen kann maschinelle Übersetzung jedoch nicht abbilden, was zu einer uneinheitlichen Präsentation Ihrer Markenbotschaft führt.

Zukunftsausblick: So wird maschinelle Übersetzung zu einem sicheren Werkzeug

Es sollte klar geworden sein, dass der Einsatz maschineller Übersetzung ohne professionelle Qualitätssicherung mit einigen Risiken verbunden ist. Trotzdem ziehen Unternehmen diesen Ansatz aus Preisgründen weiterhin in Betracht – denn gerade für große Textbestände wie Dokumentation, Onlinehilfen oder Knowledge Bases sind menschliche Übersetzungen oder sogar konventionelles Post-Editing inzwischen oftmals schlicht zu teuer.

Als Antwort auf dieses Dilemma hat Milengo einen neuen Lokalisierungsansatz entwickelt, den wir Managed MT nennen. Übersetzungen werden dabei auf Basis hochmoderner KI-Technologie realisiert, anschließend verleihen ihnen menschliche Fachübersetzer den nötigen Feinschliff. Alle vorhandenen Übersetzungen eines Kunden werden in abgesicherte neuronale Netze eingepflegt, um die Qualität zukünftiger Übersetzungen kontinuierlich zu optimieren. Eine innovative Qualitätssicherung zielt speziell auf die oben beschriebenen Schwachstellen maschineller Übersetzung ab: inkonsistente Firmenterminologie, fehlerhafte Produktnamen, schwere Fehlübersetzungen und potenziell anstößige oder kulturell unangemessene Inhalte. Die ersten Zahlen sind vielversprechend: In der Praxis konnten wir für unsere Kunden mit der Lösung bis zu 80 % an Kosten gegenüber konventionellen Übersetzungsworkflows einsparen.

Unserer Ansicht gehört diesem Ansatz die Zukunft: Endlich können Softwareunternehmen ihr Lokalisierungsbudget spürbar entlasten – und da alle maschinell übersetzten Texte fachgerecht nachbearbeitet werden, müssen sie sich auch über die oben beschriebenen Qualitätsrisiken nicht länger den Kopf zerbrechen.

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