Maschinenübersetzung erneut in den Schlagzeilen

Google Translate und Google Translator Toolkit machten in den letzten Wochen mit großen Artikeln in The New York Times und der Los Angeles Times die Runde. Diese wurden bis zum Erbrechen getwittert, in Facebook und LinkedIn verbreitet und per E-Mail verschickt. Wie reagieren die Leute? Ich unterscheide zwischen zwei Hauptgruppen:

  • Es ist das Ende für alle Übersetzer. Diese Weltungergangseinstellung rührt von der Furcht vor dem Unbekannten und der Verwunderung über die Qualität der Übersetzungen, die Google in einigen Sprachpaaren erzeugen konnte.
  • Die MT wird niemals Perfektion erreichen. Kein Grund zur Sorge. Diese lässige Einstellung kommt von denjenigen, die nur die Fehler der Tools sehen, und sich in ihrer Position sicher fühlen.

09translate CA0 articleLarge Maschinenübersetzung erneut in den SchlagzeilenNem tanto ao mar, nem tanto à terra, ist ein portugiesischer Ausdruck (versuchen Sie nicht, diesen mit Google zu übersetzen, es wird nicht funktionieren), der wortwörtlich wie folgt übersetzt wird: “nicht zu sehr am Meer, nicht zu sehr am Land”. Es bedeutet allerdings, dass weder das eine, noch das andere Extrem richtig ist, und die Wahrheit vermutlich in der Mitte liegt. Wenn Sie meine Beiträge oder Präsentationen verfolgen, wissen Sie vermutlich, dass Übersetzer meiner Meinung nach mit MT arbeiten sollten, um die Produktivität zu verbessern. Ich bin der Auffassung, dass dies nur dann möglich ist, wenn der Nutzer die Sprache, in die der Text übersetzt wird, beherrscht.

Ich stimme Ben Sargent von Common Sense Advisory zu, wenn er im Global Watchtower sagt, dass “…die Maschinenübersetzung den Tarnmantel vieler Übersetzer entfernen, und ihnen einen größeren Erkennungswert und einen höheren Status verleihen könnte. Da 99,99 Prozent von Maschinen übersetzt wird, können zwei Dinge eintreffen: 1) Das Volumen der menschlichen Übersetzung könnte sich erhöhen; 2) die Wertigkeit der menschlichen Übersetzung könnte sich erhöhen.”

Nabil Frej und John Yunker haben in ihren Blogs die vorläufigen Ergebnisse der “Welche Maschine übersetzt am besten”-Challenge veröffentlicht, die durch Gabble On organisiert wurde, und die Freiwillige dazu aufforderte, Übersetzungen durch Google Translate, Microsoft Bing und Yahoo Babel Fish zu testen (wenn Sie das noch nicht getan haben, empfehle ich Ihnen, sich die 10 Minuten dafür zu nehmen). Und es scheint, als ob Google bessere Ergebnisse leistet, als die anderen zwei, allerdings mit ein paar Ausnahmen.

Aus der Sicht einer Übersetzungsfirma verfolge ich einen pragmatischen Ansatz. Wir bei Milengo haben ein paar Pilotprojekte mit einigen Kunden am Laufen, um sieben Sprachpaare mit der Technologie Asia Online zu bewerten. Wir haben außerdem die API für das Google Translator Toolkit verwendet, um eine Verbindung zu Mliengos Translation Management System herzustellen, und wir führen damit momentan einige Testprojekte durch. Unser Ziel besteht nicht in der Ersetzung der menschlichen Übersetzung, sondern in der Produktivitätssteigerung, um unseren Kunden die Übersetzung von Inhalten zu ermöglichen, die andernfalls wegen der Kosten und Deadlines nicht übersetzt würden.

Diese Situation erinnert mich an eine Geschichte, die mir mein Freund João Roque Dias aus Portugal darüber erzählte, wie Regierungsbeamte Anfragen in den späten 70ern mit der Begründung ablehnten, dass das Land sich ein einem PREC (Processo Revolucionário em Curso oder in fortschreitenden revolutionären Umwälzungen) befände, der schlussendlich gleichbedeutend mit einem Durcheinander war. Für mich befindet sich die Sprachtechnologie in einem solchen PREC: Jeder Ausgang ist möglich, ich sichere mich also nach allen Seiten ab!

Renato Beninatto
Geschäftsführer & Unruhestifter
Nachdruck von Localization Industry 411

Folgen Sie Renato auf Twitter @renatobeninatto

Author imageBy , 15/9/2011
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